Kriminalmuseum

FürthFaktor + Kriminalmuseum
Kriminalmuseum
Adresse: 
Ludwig-Erhard-Straße 1
90762 Fürth
Öffnungszeiten: 

Wilfried Dietsch und seine Kollegen führen jeden Sonntag durch die Ausstellung.

Angebot: 
Jeder Täter hinterlässt Spuren …

... und die kann man im Gewölbekeller des Fürther Rathauses erkunden. Unterhaltsam, bedrückend, überraschend: Bei einer Führung durch das Kriminalmuseum Fürth öffnet sich ein ganz neues Bild auf die Kleeblattstadt. Wilfried Dietsch, 2. Vorstand und selbst Leitender Polizeidirektor a.D. (1996 bis 2001 in Fürth) führt uns launig, detailverliebt und charmant durch die Ausstellung. Der „Verein zum Betrieb und zur Förderung des Fürther Kriminalmuseums sowie zur Förderung sonstiger Präventionsprojekte e.V.“ wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen: allesamt selbst ehemalige Polizeibeamte und Angestellte. Fachlich detailliert erfährt man hier, warum der Fernseh-Tatort äußerst unrealistisch ist und wie man eigentlich entfernte Blutspuren wieder sichtbar macht.

Sogar Krimilesungen werden ab und an veranstaltet. Wir testen, ob wir gefälschte von echten Geldscheinen unterscheiden können und ob wir zwei identisch aussehende Männer anhand ihrer Fingerabdrücke unterscheiden hätten können. Neben der Geschichte der Fürther Polizei (samt Exponaten wie unbrauchbar gemachten Waffen, Dienstuniformen, Abzeichen und Gebäudegeschichte) sind die 11 Räume auch der Prävention gewidmet und umfassen dabei Themen wie Drogenmissbrauch (inkl. fiktivem Drogenlabor) und Rechtsradikalismus. Oft besuchen z. B. Schülergruppen das Gewölbe.

Zwischendrin liest man von illustren Kriminalfällen seit 1849: Da ermordet ein Sohn samt Mutter und Dienstmagd den Vater, einen arrivierten Poppenreuther Bauern, und eine Frau entledigt sich 1936 ihres Mannes ganz fränkisch mit Arsen im Blaukraut. Wie sich Kriminalität verändert hat, wird anhand moderner Beispiele sichtbar: So kann man am manipulierten Geldautomaten testen, dass man die Kamera, die die Pin aufzeichnet (beim sogenannten Skimming), tatsächlich nicht sehen kann, und da rüber staunen, dass die Fingerabdrücke von Zwillingen trotz gleicher DNA verschieden sind, und sogar jeder Kopfsalat seine persönliche DNA aufweist. Die Moderne bringt Vor-und Nachteile: DNA-Analysen ermöglichen Aufklärungen lange zurückliegender Fälle. Oft ist die Balance zwischen dem Wunsch nach restloser Aufklärung und der Wahrung von Persönlichkeitsrechten eine Gratwanderung.

Von K.O.-Tropfen-Informationen und Aufklärung zu häuslicher Gewalt über Graffiti bis zu anschaulichen Beispielen, warum (Fahrrad)helme im Verkehr Pflicht sein sollten – am Ende des Rundganges hat man nicht nur etwas über die Vergangenheit erfahren, sondern ist auch für die Zukunft gewappnet. Ein umfangreiches Flyerangebot für alle Lebenssituationen rundet den Besuch ab. Ob das Leben in Fürth gefährlicher geworden sei, fragen wir Herrn Dietsch: Er antwortet, dass die Statistiken keine Verschlechterung zeigen, wohl aber die Medien durch die Dominanz der negativen Nachrichten das subjektive Gefahrenbewusstsein beeinflussen. Er selbst fühlt sich in Fürth sicher, und meint lachend, passieren könne schließlich immer was: „Gehst über die Straß‘, passiert dir was!“.

Auch seine Polizeigeschichte hat Spuren hinterlassen. Seine alte Dienstuniform ist ausgestellt und auf einem historischen Foto hat er seinen ehemaligen Schreibtisch wiederentdeckt: Das gute Holzstück hat stolze 70 Dienstjahre auf dem Buckel. Übrigens: Einen nachgestellten Tatort samt sprichwörtlicher Leiche findet man natürlich auch im Keller. Die Visagistin des Stadttheaters, die die Puppe zuhause schminkte, musste den Nachbarn beruhigen, dass es sich bei dem jungen Mann samt Theaterblut nicht um ihren neuen Freund, sondern ein Exponat handelte. Unser Fazit einer unterhaltsamen Führung: Das ist der echte Franken-Tatort!

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